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Die Gotteserscheinung am Berg Horeb

Gott ist anders (1. Könige 19, 1 – 15)

 

 

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Ordination einer Pfarrerin
Sonntag, 19. August 2001, Kirche Bruggen, St. Gallen
Predigt Pfr. Dr. Dölf Weder, Kirchenratspräsident

 

Liebe Gemeinde

Der heutige Ordinationstag ist ein Tag der Freude und des Feierns. Ein junger Mensch ist bereit, sich als Pfarrerin in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen.

Da kann man sich ja schon fragen: Wie kommt eine junge Theologin dazu, sich für ihren Ordinationsgottesdienst gerade diese, doch recht dramatische, Geschichte von der Krise des Elia auszusuchen?

Ich glaube, die Wahl ist Ausdruck dafür, dass sich heute ein junger Mensch, der sich zum Dienst in der Kirche entscheidet, bewusst ist, dass er oder sie keinen leichten Weg auf sich nimmt. Es ist nicht so, dass einem das Pfarrersein ein bequemes, von Gott abgefedertes Leben garantieren würde – im Gegenteil. Und unser heutiger Bibeltext, die Geschichte von Elia, hat eben zu tun mit dem oft schwierigen Weg und den oft schmerzhaften Erfahrungen von Menschen, die sich in Gottes Dienst stellen lassen.

Die junge Pfarrerin sprach in ihrem Predigtteil vom Zerbrechen des Gottesbildes von Elia. Kurz zuvor, in der Konfrontation mit den Baalspriestern, hatte er noch so stark und siegreich ausgesehen. Und dann diese tiefe Krise. Elias Wunsch zu sterben, unter einem einsamen Ginsterstrauch in einer einsamen Wüste. „Es ist genug“, hatte er gesagt, „so nimm nun Herr mein Leben hin; ich bin nicht besser als meine Väter.“ Ich bin gescheitert. Ich schaffe es auch nicht.

Zwei mal kam darauf ein Engel des Herrn, erzählt der Text: „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg für dich zu weit.“

Ich gebe zu, wenn ich mir diese Szene vorstelle, muss ich ein bisschen schmunzeln. Sie erinnert mich an meinen Vater. Wenn ich als Kind durcheinander war, wütend oder traurig, dann sagte er zu mir: „Iss zuerst mal ein Butterbrot, dann sieht die Welt schon wieder anders aus.“ Das Rezept scheint auch bei Elia funktioniert zu haben.

 

Kündigungsversuch am Horeb

Von Brot und Wasser dergestalt gestärkt, marschiert der Prophet zum Gottesberg Horeb. 40 Tage lang. Um dort Gott seinen Prophetenauftrag zurück zu geben. Die Kündigung quasi.

Dass diese Kündigung gerade am Berg Horeb, am Gottesberg, ausgesprochen werden soll, hat Symbolcharakter. Mehrere Jahrhunderte früher hatte hier Moses von Gott die beiden Bundestafeln mit den Zehn Geboten empfangen. Schon er brauchte damals zwei Anläufe, weil das Volk so widerborstig war. Kaum hatte Moses den Leuten den Rücken gekehrt, waren sie bereits zum Goldenen Kalb gelaufen. Und jetzt, mehrere Jahrhunderte später, ist dieses Volk nach Meinung von Elia definitiv von Gott abgefallen. Weggelaufen zu den Fruchtbarkeitsgöttern seiner heidnischen Umgebung im gelobten Land; just dem Land, in das Gott sie geführt hatte. Treulos. Diesem Volk ist nicht zu helfen, ist Elia überzeugt, und ich bin auch nicht besser als meine Väter; ich schaffe es auch nicht, sie davon abzubringen.

Ich kann mir Elia gut vorstellen, wie er da so allein durch die einsame Wüste stapft. Zwar hat er gegessen und will nicht mehr grad sterben, so wie noch einige Tage vorher unter dem Ginsterstrauch. Aber der ganzen, unerfüllbaren Mission soll jetzt ein Ende gesetzt werden. Gott, es geht nicht. Die Menschen sind zu schlecht. Ich bin nicht stark genug. Ich gebe auf.

Frustration, Resignation, Burn-out würden wir das heute bei einem Pfarrer oder einer Pfarrerin nennen. Die Aufgabe ist schlicht nicht zu erfüllen. Jedenfalls nicht von mir, ich bin zu schwach. Die Leute wollen nichts wissen von dir, o Gott, und ich kann all die gestellten Anforderungen nicht erfüllen.

Wir heutigen Menschen beten zwar die Baalsgottheiten unserer Umgebung nicht mehr so offensichtlich an. Aber sind die Situationen damals und heute denn wirklich gar so unterschiedlich? Ist denn etwa heute der christliche Glaube ein so grosser Erfolgsartikel? Und gibt es für einen Pfarrer oder eine Pfarrerin von heute denn nicht häufig sehr berechtigten Grund zu Frustration und Verzweiflung?

Nach 40 Tagen erreicht Elia auf dem Berg Horeb eine Höhle und bleibt dort über Nacht. Dabei wird er angesprochen von Gottes Frage: „Was machst du hier, Elia?“

Jetzt ist es, wie wenn beim Propheten die Schleusen endgültig geöffnet würden. Jetzt muss es gesagt sein. Vorwurfsvoll bricht es aus Elia hervor: „Geeifert habe ich für den Herrn, den Gott der Heerscharen! Denn Israel hat dich verlassen; deine Altäre haben sie niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert getötet. Ich allein bin übrig geblieben, und sie trachten darnach, auch mir noch das Leben zu nehmen.“

Alles habe ich gegeben, mein ganzes Leben in deinen Dienst gestellt, geeifert habe ich für dich – vergebens. Die Menschen wollen sich nicht ändern. Bund gebrochen, Altäre geschleift, Propheten getötet. Ich allein bin übrig geblieben, und auch mich wollen sie noch umbringen. Wie kannst du da noch von mir verlangen, Prophet zu sein?

Wie kann ich mich als junge Theologin in unserer heutigen Zeit denn ordinieren lassen? Mein Leben auf die Karte dieses Gottes setzen? In einer Firma arbeiten, von der die Menschen sich immer wieder abzuwenden scheinen? In einer Organisation, die über viele Jahrhunderte immer wieder kurz vor dem Bankrott zu stehen schien?

Ganz ruhig kommt statt einer Antwort eine Anweisung: „Geh hinaus und tritt auf den Berg vor den Herrn!“

Wenn die Situation in unserem Leben oder Beruf schwierig wird, gibt es oft keine Antworten; auch nicht von Gott. Dann gibt es nur eins: Vor unsere Höhle treten und Gott begegnen.

 
Gott ist anders

Und jetzt folgt diese tiefsinnige Bibelstelle, die uns so viel sagt über Gottes Wesen und darüber, wie Gott in dieser Welt erscheint. Und wie eben nicht. Ganz und gar anders als Elia glaubte, zeigt sich der biblische Gott in unserer Welt.

Elia glaubte an einen machtvollen Gott. An einen Gott in Sturm, Erdbeben und Feuer. Einen Gott, der, um die Baalspriester zu besiegen, Feuer auf das Brandopfer herab fallen lässt. Einen Gott, der mit des Schwertes Schärfe alle Baalspriester umbringt und so den Glauben seines Volkes wiederherstellt. Einen Gott, der Gerechtigkeit und Frieden schafft auf dieser Erde, die Bösen und das Leid ausrottet. An einen solchen mächtigen, starken und sich gegenüber den Menschen durchsetzenden Gott glaubte Elia. Das ist oft auch unser Gottesbild.

Dieses Gottesbild aber, ist ihm dort unter dem Ginsterbusch in der Wüste zerbrochen. Zwar hatte das Brandopfer gebrannt. Zwar waren die Baalspriester gestorben. Aber das Volk hatte sich nicht wirklich geändert. Darum stürzte Elia in die tiefste Krise seines Lebens. Gott ist anders.

Da oben am Berg Horeb wird ihm nun klar, dass sein Bild nicht dem biblischen Gott entsprach. Zwar gibt es auf Erden Sturm, Erdbeben und Feuer. Aber Gott ist nicht im Sturm. Gott ist nicht im Erdbeben. Gott ist nicht im Feuer:

„...ein grosser, gewaltiger Sturm, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; aber der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer.“

Unser biblischer Gott ist nicht in lauten Tönen und Naturkatastrophen, ist nicht in machtvollen und wortgewaltigen Effekten, nicht in Massenbekehrungen, und nicht in grossen Medienspektakeln. Ja, aber wo begegne ich denn dem lebendigen Gott?

Jetzt erst folgt die vierte, fast poetisch-feine Erscheinung: „Nach dem Feuer das Flüstern eines leisen Wehens. Als Elia dies hörte, verhüllte er sein Angesicht mit dem Mantel, ging hinaus und trat an den Eingang der Höhle.“

„Das Flüstern eines leisen Wehens“ übersetzt die Zürcher Übersetzung. Martin Buber, der grosse jüdische Philosoph, übersetzte noch verhaltener: Es kam „die Stimme verschwebenden Schweigens“.

Es ist, wie wenn die Welt nach all dem Lauten, Wilden und Zerstörerischen den Atem anhielte. Plötzlich ist Ruhe, ist Schweigen, ist nur noch das Flüstern eines leisen Wehens, die Stimme verschwebenden Schweigens.

Interessanterweise sagt unser Text nicht, dass Gott in diesem Flüstern ist. Es signalisiert nur den Zustand, die Umstände, in welchen Gott dem Menschen begegnet.

So tritt denn Elia, wie er dieses leise Wehen der Stille vernimmt, aus seiner Höhle heraus. Das Flüstern der Stille ermutigt Menschen, aus sich heraus zu treten, sich zu zeigen wie sie sind und Gott zu begegnen.

Noch einmal bricht es aus Elia heraus: „Geeifert habe ich für den Herrn, den Gott der Heerscharen! ... und jetzt trachten sie darnach, auch mir noch das Leben zu nehmen.“

Aber dann ist es, wie wenn sein Zorn und seine Enttäuschung plötzlich dahin geschmolzen wären. Er lässt Gott das Wort. Er nimmt einen neuen Auftrag entgegen: „Auf, zieh wieder deines Weges aus der Wüste nach Damaskus, geh hinein und salbe Hasael zum König über Syrien.“

Es ist das Flüstern des leisen Wehens, das Elia neu vor Gott treten lässt, das ihm wieder Boden unter den Füssen gibt, ihn aufbrechen lässt aus Frustration, Enttäuschung und Angst, - zu neuen Horizonten, zu einem neuen Auftrag, zu einem neuen Sinn in seinem Leben.

Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass sich Gott letztgültig in Jesus Christus gezeigt hat. Und auch da nicht in Kraft und mit Gewalt. Jesus Christus endete in Schwachheit, im Scheitern, im Tod am Kreuz. Aber das war und das ist nicht das Ende. Denn Gott ist in der Schwachheit und in der Verletzlichkeit gegenwärtig.

Wir wissen auch um die christliche Gemeinde. Beileibe keine ideale Gemeinschaft. Aber eine Gemeinde und Gemeinschaft, von der wir gerade in persönlichen Krisensituationen auch immer wieder erleben, dass sie uns mit trägt. Wir sind nicht so allein dort oben auf dem Berg Horeb, wie wir manchmal fälschlich glauben. Es gibt viel mehr Liebe um uns herum, als wir manchmal wahrnehmen.
 

Dem Flüstern des leisen Wehens Raum geben

Liebe Sonja, Wenn du heute ordiniert wirst, bedeutet das, dass du dich zu einem nicht einfachen Dienst verpflichten lässt. Das soll nicht verschwiegen werden. Deine Textwahl beweist, dass du dir dessen sehr wohl bewusst bist. Auch du wirst neben viel Schönem immer wieder auch mit Schwierigkeiten, mit Frustration und Verzweiflung zu kämpfen haben.

Denke dann daran, dass Gott nicht in lauter Action, nicht in lärmigem Aktivismus nicht in zornigem Dreinschlagen und nicht in oberflächlichem Recht Behalten zu finden ist. Sondern dass der lebendige Gott Jesu Christi uns Menschen dort nahe kommt, wo wir mitten in den Schwierigkeiten des Lebens dem Flüstern des leisen Wehens Raum geben, aus unseren Höhlen heraus treten und Gott trotz allem unsere nächsten Schritte bestimmen lassen.

Schau auch um dich herum. Auf all die Menschen, die mit dir unterwegs sind und dich in Liebe mit tragen.

Du darfst getrost sein, dass du in deinem kirchlichen Dienst und in deinem persönlichen Leben nie allein bist. „Ich will dich mit meinen Augen leiten“, sagt Gott in Psalm 32 (Vers 8); „Ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt“, der auferstandene Christus in Matthäus 28 (Vers 20). Du darfst mit Mut und Freude in den Dienst Gottes und der Menschen treten!

Dasselbe gilt auch für uns alle, liebe Gemeindeglieder. Gott tritt immer wieder dort auf leisen Zehen in unser Leben, wo wir Sturm, Erdbeben und Feuer an uns vorbeiziehen lassen, wo wir mitten in den Schwierigkeiten des Lebens dem Flüstern des leisen Wehens Raum geben, aus unserer Höhle heraus vor Gott hintreten und ihn unser Leben gestalten lassen.

Auch wir dürfen darum fröhlich und getrost sein. Denn auch uns gilt die Verheissung: „Ich will dich mit meinen Augen leiten“, „Ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt“.

Amen.

 

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Impressum
www.weder.ch last updated: 13.04.18
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Inhalt

Ein Tag der Freude - aber kein leichter Weg

Kündigungsversuch am Horeb

Gott ist anders

Dem Flüstern des leisen Wehens Raum geben

 

 

 

Die Textwahl ist Ausdruck dafür, dass sich heute ein junger Mensch, der sich zum Dienst in der Kirche entscheidet, bewusst ist, dass er oder sie keinen leichten Weg auf sich nimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir heutigen Menschen beten zwar die Baalsgottheiten nicht mehr so offensichtlich an. Aber sind die Situationen damals und heute denn wirklich gar so unterschiedlich?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn die Situation in unserem Leben oder Beruf schwierig wird, gibt es oft keine Antwort; auch nicht von Gott. Dann gibt es nur eins: Vor unsere Höhle treten und Gott begegnen.

 

 

 

 

Elia glaubte an einen machtvollen Gott. Einen Gott, der Gerechtigkeit und Frieden schafft auf dieser Erde, die Bösen und das Leid ausrottet. Das ist oft auch unser Gottesbild. Aber Gott ist anders.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Flüstern der Stille ermutigt Menschen, aus sich heraus zu treten, sich zu zeigen, wie sie sind und Gott zu begegnen.

 

 

 

 

 

Gott ist in der Schwachheit und in der Verletzlichkeit gegenwärtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Gott tritt immer wieder dort auf leisen Zehen in unser Leben, wo wir Sturm, Erdbeben und Feuer an uns vorbeiziehen lassen, wo wir mitten in den Schwierigkeiten des Lebens dem Flüstern des leisen Wehens Raum geben, aus unserer Höhle heraus vor Gott hintreten und ihn unser Leben gestalten lassen.